DEEPAVALI.

DEEPAVALI IN IPOH

Heyho, eigentlich sollte dieser Beitrag zeitnah zu den Geschehnissen kommen allerdings wurde der Plan durch meine geographische Lage während des Deepavalifestes durchkreuzt. Frechheit. Daher jetzt wie immer mit gewohnter Verspätung mein Blogeintrag zu meiner Woche in einer indischen Gastfamilie.

Es begann damit, dass das hinduistische Fest Deepavali (oder kurz Diwali) immer näher rückte. Im Rahmen unseres interkulturellen Austausches sollten wir dafür in eine indische Gastfamilie ziehen, um das Fest aus erster Hand miterleben zu können. Dafür fuhren wir ins 200km entfernte Ipoh im Bundesstaat Perak, Malaysia. Penang ist zum Großteil von Chinesen geprägt daher wichen wir in eine Stadt aus, dessen Bevölkerung zu einem bedeutenden Teil aus indischstämmigen Malays bzw. Indern besteht. Nach unserer Ankunft warteten wir erst einmal ein paar Stunden damit die Zeremonie beginnen konnte. Natürlich wurden wir nicht einfach in Familien gesteckt und fertig – neiiiin. Da muss vorher noch großes TamTam gemacht werden mit viel Musik, irgendwelchen Politikern und so weiter und so fort. Ich könnte mich an genau diesem Teil des Textes etwa eine halbe Seite über die Organisationsfähigkeiten der Veranstalter auslassen. Im Sinne des interkulturellen Lernens nehme ich so etwas mittlerweile als notwendiges Übel wahr.  Jedoch, die Verteilung auf die Gastfamilien an sich war schon ein Hochlicht. Wir wurden danach ausgewählt “zu wem wir am besten passen”. Logisch, man kennt sich schließlich schon seit vier Stunden, da liegt das Kriterium des Zusammenpassens ja nahe…oooooh mansen.

Mein Gastvater kam mit meinem Gastbruder (25) zu mir und sagte mir, dass ich jetzt bei ihm wohne. Alles klar! Schnell ein traditionelles Dress gekauft (kaufen lassen) und dann wurde weiter gewartet. Sowohl mein Gastbruder als auch mein Gastvater hatten überhaupt keine Lust mehr auf die Veranstaltung und mokierten sich über die mangelhafte Organisation. Immerhin waren wir Deutschen damit dann nicht allein…  Der Satz liest sich schwierig aber wer andauernd fehlerhafte Organisationen erleben muss der beruft sich am Ende auf den kulturellen Unterschied.

Wie ich erfuhr hatte meine Gastfamilie vor allem deshalb keine  Lust mehr auf die Veranstaltung weil sie 80km entfernt von Ipoh wohnten. Der Plan, sich zwischen durch mit den anderen in der Stadt zu treffen, löste sich auf. Egal, wird gut. Als es endlich vorüber war bin ich zusammen mit einen Freund, wir waren am Ende zu zweit dort untergebracht, im Van und ab gings in den Dschungel. Tatsächlich wohnte der Gastvater mit seiner Frau, ergo meiner Gastmutti, mitten in einer Palmölplantage, 5km vom nächsten Shop und ich weiss nicht wie lange von der nächsten Ortschaft entfernt. Internet gab es keins, was auch nicht wild war nur ging dann mein Plan von dem zeitnahen Bericht flöten…

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Einfahrt zum Haus.

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Die Umgebung.

Am Sonntagabend kamen wir erst gegen ein Uhr an, unterhielten uns noch ein wenig aber gingen flott schlafen. Der Gastbruder war auch nur zu Besuch, eigentlich arbeitet und lebt er in Kuala Lumpur. Über Deepavali kommen die Familien zusammen. Am Montag morgen, nachdem wir ausgeschlafen hatten, zeigte uns die Familie die nähere Umgebung. Wir fuhren durch die Gegend und kamen erst an eine kleine Fischersiedlung, da gerade Regensaison ist sahen wir die Fischer beim Netze reparieren und schnacken. Ich fand es ziemlich großartiges sowas noch zu sehen, diesen Anblick bekommt man in Deutschland nicht allzu häufig.

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Erinnerungen an Vietnam (Mekong) werden wach…

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Danach kam mein absolutes Hochlicht für den Tag und eigentlich auch für die Woche. Wir fuhren zu einem Heim für Schildkröten, ein Center for Preservation. In diesem wurden Süß-, aber vorwiegend Salzwasserschildkröten aufgezogen. Die kleinen werden geschützt bis sie groß genug sind, um ins Meer entlassen zu werden. Arten werden dort geschützt, Schildkröten aufgepeppelt und wieder entlassen und manche verbringen dort auch ihr ganzes Leben – was ich persönlich weniger schön finde.

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Bebiiiiiiischildkröten, hach…

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Tzweeeet

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Schon nicht mehr ganz so süß.

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Das Informationscenter.

Wir befanden uns übrigens direkt am Meer, westcoast! Nach dem Bestaunen der Schildis sind wir zum kurzen entspannen einen Strand gefahren und haben dort ein wenig Zeit verbracht.

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Zu Hause noch ein bisschen geschnackt und das war dann auch schon der Montag, ziemlich lässig. Dienstag haben wir dann wenig gemacht, wie eigentlich an den restlichen Tagen auch. Einen Fernseher gab es. Und der lief. Immer. Ich komme damit eher schlecht klar, dass wenn man sich unterhalten möchte bzw. nur deshalb dort ist und überall läuft der Fernseher, zu jeder Zeit und das auch noch relativ laut. Zudem dieser schreckliche US-Sender. Lieber schaue ich mir trashige Tamilfilme oder Bollywood an als dauernd dieses schlimme, von Werbung durchsetzte, US-Programm. Deshalb entschied ich mich des öfteren mich zu entschuldigen, ins Bett zu legen und zu lesen. Ich glaube es wurde als unfreundlich angesehen aber das machte mir relativ wenig aus. Lesen war im TV-Zimmer kaum möglich, das kam eben noch unfreundlicher rüber. Dazu muss ich gestehen, dass ich die Art Gespräche, die wir dort führten, eben schon fast ein Jahr führe: wie gefällt dir Malaysia, kannst du Curry essen blablabla. Die interessantesten Dinge kamen erst am eigentlichen Deepavali-Tag heraus als es um die Vergangenheit des Festes, die Tradition und den Stand der Inder in Malaysia ging. Abends besuchten wir noch Verwandte, zündeten Feuerwerk und aßen leckeres, indisches Essen.

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Neben Ölpalmen gab es noch diese “Rubbertrees”, uns wurde gezeigt wie man den Kautschuk daraus gewinnen kann.

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Mein Gastbruder beim Kokosnuss ernten.

Mittwoch war dann Deepavali. Was ist Deepavali überhaupt?! Also Diwali ist das sogenannte Lichterfest der Hinduisten. Licht kommt im Hinduismus eine bedeutenden, omnipräsente Rolle zu. Schließlich ist es das Gegenstück zu allem Bösen, dem Dunklen. Natürlich ist es voller Traditionen und Bedeutungen in fast jeder Hinsicht. Lustigerweise wusste in meiner Gastfamilie kaum jemand die vielfältigen Bedeutungen (ich gebe zu, es wären eh zu viele gewesen um sie mir zu merken). Es wird auf jeden Fall gebetet und in jedem indischen Haushalt findet man ein Mandala.

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Das Mandala meiner Gastmutter.

Und wir mussten sehr früh aufstehen! Um halb 6 bereits. Dann gab es für jeden eine rituelles Ölbad. Die Mutter nahm etwas Sesamöl und begoss die Haare und das Gesicht, sehr interessant und angenehm. Allerdings mussten wir eine halbe Stunde warten bis wir duschen konnten, das war weniger angenehm. Im Anschluss sind wir zum nächsten Tempel gefahren um zu beten. In unseren traditionellen Kleidern ging es dann los.

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Der Tempel (befand sich gerade im Umbau)

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Der provisorische Gebetsraum.

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Selbst die Bananenblüten und die Art und Weise wie sie aufgehangen werden hat eine Bedeutung.

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Nachdem uns einiges erklärt wurde ging es relativ schnell wieder zurück, ich hatte mir die Zeremonie am Tempel bzw. das Beten länger vorgestellt als “nur” eine halbe Stunde – wie eine christliche Messe erwartet ungefähr, denn Deepavali wird gern mit dem christlichen Weihnachten verglichen. Wir sind also wieder zurück zum Haus und haben TV geschaut. Ab und zu kam Besuch aber eigentlich hingen alle mehr oder weniger vorm TV oder schliefen ODER aßen Kekse! Gebäck ist natürlich auch immens wichtig. Wie schon zu Hari Raya gibt es spezielles Deepavali Gebäck und das muss man natürlich überall ausprobieren…

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Ein Ball (eher Bombe) aus braunem Zucker und Nüssen. Verflucht…

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Auch sehr gut!

Am Mittwochabend sind wir dann noch zu einigen Verwandten gefahren und dann gings auch schon los. Buang Air… aber es betraf nicht nur mich, sondern sowohl meinen Mitfreiwilligen als auch Teile der Familie. Die Nacht verbrachten wir dann mehr oder weniger alle auf der Toilette. Diese Stand zehn Meter vom Haus entfernt und war ein Loch mit einem Eimer Wasser daneben. Richtig gut alles, auch die Mücken haben viel Spaß gemacht. Die Zugabe war noch, dass ich die ganze Nacht durch entweder dort war oder fror und deshalb nicht schlafen konnte. Eigentlich wollten wir am Donnerstag auf eine kleine Insel fahren, na das konnten wir natürlich vergessen. Stattdessen schlief ich bis 16 Uhr und aß den ganzen Abend bis Freitag Mittag nichts. Glücklicherweise war das eine gute Taktik. Am Freitag ging es mir schon wieder besser und ich konnte den Bus zurück nach Penang nehmen.

Konklusion: Ich hatte andere Vorstellungen gehabt, wie es so oft der Fall ist. Vor allem der Wohnort war wirklich nicht mein Fall. Mitten im Dschungel und keine Betätigungsmöglichkeiten außer TV schauen, lesen oder unterhalten. Der traditionelle Part und die Fülle an Informationen und Geschichten haben mir sehr gut gefallen. Vor allem war die Familie einfach supernett und die Gastmutti unfassbar süß und umsorgend. Eine positive Woche! Besuchen würde ich sie auf jeden Fall noch mal aber vielleicht nicht noch einmal eine Woche in dem Haus verbringen. ZWINKERSMILEY.

Außerdem war Fliegensaison, voll ekelhaft.

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Bye Bye!

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